1. Was ist ViDA (VAT in the Digital Age)?
ViDA steht für VAT in the Digital Age – auf Deutsch: Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter. Dahinter steckt ein umfassendes Gesetzespaket der EU, das die Umsatzsteuer an die Realität des digitalen Handels anpassen soll.
Der Hintergrund ist einfach:
Das aktuelle System ist zu langsam, zu komplex und zu anfällig für Betrug. Laut EU-Kommission gehen jährlich rund 99 Milliarden Euro Umsatzsteuer verloren. Ein großer Teil davon entsteht bei grenzüberschreitenden Geschäften.
Mit ViDA verfolgt die EU drei zentrale Ziele:
1. Mehr Digitalisierung statt Papiermeldungen und manueller Prozesse
2. Mehr Transparenz durch digitale Einzelmeldungen
3. Weniger Betrug im EU-Binnenmarkt
Für Händler bedeutet das: Das System wird langfristig einheitlicher, aber gleichzeitig auch datengetriebener und strenger.
2. Die drei Säulen von ViDA – einfach erklärt
Die Reform basiert auf drei großen Bausteinen, die jeweils unterschiedliche Bereiche der Umsatzsteuer betreffen.
1. Digital Reporting Requirements (DRR)
Das Herzstück der Reform ist das digitale Meldewesen.
Ab Juli 2030 müssen grenzüberschreitende B2B-Rechnungen innerhalb der EU:
- als strukturierte E-Rechnung erstellt werden
- innerhalb von 10 Tagen ausgestellt werden
- einzeln digital an die Finanzbehörden gemeldet werden
Das bisherige System mit Sammelmeldungen wird damit ersetzt. Statt quartalsweiser Meldungen erwartet die EU künftig eine nahezu Echtzeit-Übermittlung der Daten.
2. Plattformhaftung (Deemed Supplier)
Die zweite Säule betrifft Plattformen.
Ab 2028 (optional) und spätestens 2030 verpflichtend werden Plattformen für bestimmte Dienstleistungen selbst zum Steuerschuldner. Das gilt zunächst für:
- Kurzzeitvermietung (z. B. Airbnb)
- Personentransport (z. B. Uber)
Für klassische Amazon-Seller hat diese Regel aktuell keine direkte Auswirkung. Sie zeigt aber die Richtung: Plattformen werden stärker in die Steuerlogik eingebunden.
3. Single VAT Registration
Die dritte Säule ist für viele E-Commerce-Händler die wichtigste.
Ab Juli 2028 wird das OSS-System deutlich erweitert. Ziel ist es, die Zahl der lokalen Umsatzsteuer-Registrierungen zu reduzieren.
Das bedeutet konkret:
- eigene Warenbewegungen können über OSS gemeldet werden
- weniger lokale Registrierungen nötig
- zentrale Meldung über ein Portal
Für Händler mit Pan-EU oder mehreren Lagern kann das den administrativen Aufwand deutlich reduzieren.
3. Die wichtigsten ViDA-Termine im Überblick
Die Reform wird schrittweise eingeführt. Diese Daten sind für Händler besonders relevant: Die wichtigsten Jahre für Händler sind 2028 und 2030.
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Die wichtigsten ViDA-Termine im Überblick
Die Reform wird schrittweise eingeführt. Diese Daten sind für Händler besonders relevant:
März 2025
Beschluss
ViDA wird verabschiedet.
April 2025
Inkrafttreten
Inkrafttreten auf EU-Ebene.
Januar 2027
OSS Updates
Erste OSS-Erweiterungen starten.
Juli 2028
Single VAT Registration
Start der OSS-Erweiterung (wichtiger Meilenstein für Händler).
Januar 2030
Plattformhaftung
Deemed Supplier wird verpflichtend (v. a. Vermietung/Transport).
Juli 2030
DRR Pflicht
E-Rechnung + Digital Reporting für Cross-Border B2B.
Januar 2035
EU-Standard
EU-weit einheitliche Reporting-Standards.
E-Rechnung ab 2030: Was sich konkret ändert
Ab dem 1. Juli 2030 müssen grenzüberschreitende B2B-Rechnungen innerhalb der EU:
- als strukturierte E-Rechnung erstellt werden
- innerhalb von 10 Tagen ausgestellt werden
- digital an die Finanzbehörden gemeldet werden
Das bedeutet in der Praxis:
Die klassische PDF-Rechnung wird im B2B-Bereich nicht mehr ausreichen. Rechnungen müssen maschinenlesbar sein und automatisiert verarbeitet werden können.
Was bedeutet die OSS-Erweiterung ab 2028?
Die gute Nachricht von ViDA:
Ab 2028 können viele Händler ihre Meldungen stärker zentralisieren.
Heute gilt bei Pan-EU häufig:
- mehrere Lagerländer
- mehrere VAT-Registrierungen
- mehrere lokale Meldungen
Ab 2028 soll ein großer Teil davon über eine zentrale OSS-Meldung laufen.
Beispiel: Pan-EU-Händler
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Beispiel: Pan-EU-Händler heute vs. ab 2028
Heute (2025)
Mehrere Registrierungen
Ware in fünf Ländern → fünf VAT-Registrierungen und fünf lokale Meldungen.
Ab 2028
Zentrale OSS-Meldung
Ware in fünf Ländern → eine zentrale OSS-Meldung für B2C-Verkäufe.
Lokale Meldungen nur noch für Sonderfälle.
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Ergebnis: Weniger Registrierungen, weniger Koordination und geringere Kosten.
ViDA und Amazon FBA: Die wichtigsten Szenarien
Nicht jeder Händler ist gleich stark betroffen. Entscheidend sind vor allem Lagerstruktur und Kundentyp.
Schnell-Überblick: Je nach Lagerstruktur und B2B-Anteil greifen die ViDA-Pflichten ab 2028 bzw. 2030 unterschiedlich.
Verkauf nur in Deutschland
Wenn du ausschließlich in Deutschland verkaufst, bleibt es bis 2028 meist ruhig.
Bis 2028
Kaum Änderungen durch ViDA.
Ab 2030
E-Rechnungspflicht relevant bei B2B (cross-border).
Lagerung in mehreren Ländern
Hier greifen die ViDA-Änderungen in der Praxis am stärksten.
Ab 2028
OSS-Erweiterung (Single VAT Registration).
Ab 2030
E-Rechnungspflicht bei B2B + Reporting-Pflichten.
B2B-Verkäufe innerhalb der EU
Mit B2B wird ab 2030 vor allem E-Rechnung und Digital Reporting entscheidend.
Ab 2030
E-Rechnung + Digital Reporting werden Pflicht.
Wichtig
System muss EN-16931 unterstützen.
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Am stärksten betroffen sind meist Setups mit Pan-EU/CEE und/oder einem spürbaren B2B-Anteil.
Kurzer Selbstcheck: Trifft ViDA auf dich zu?
Du bist wahrscheinlich betroffen, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
- du nutzt Pan-EU oder CEE
- du hast Lager in mehreren EU-Ländern
- du verkaufst B2B innerhalb der EU
- du planst internationale Expansion